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Beitrag
zum Landeswettbewerb „Ab in die Mitte! Die
Innenstadt-Offensive Hessen“ 2011:
Niddatal
kocht
Projektbeschreibung
Niddatal mit seinen vier Ortsteilen Assenheim,
Bönstadt, Ilbenstadt und Kaichen hat eine lukullische Be-sonderheit:
Jeder Ortsteil hat eine legendäre kulinarische Spezialität. Damit
verbunden sind jeweils geschichtsträchtige Ereignisse. Die
"Assemer Supp" beispielsweise wurde geprägt, als im Winter
1879/80 die Tagelöhner beim Bau der großen Assenheimer
Eisenbahnbrücke Hunger litten. Die örtliche Gräfin richtete umgehend
eine Suppenküche ein, täglich wurde eine nahrhafte Graupensuppe
kredenzt, die mittlerweile landesweit bekannt auch schon vom Hessischen
Rundfunk ("Hessen a la carte") vorgestellt wurde. Dazu kommen
in den anderen Ortsteilen die "Bieschder Kesselworscht", die
"Imschder Krautsupp" und die "Kaascher
Kartoffelschipp" (siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Niddatal;
kulinarische Spezialitäten). Auch aktuell gibt es zahlreiche
kochwütige Gastronomen, Vereine und Einzelpersonen in Niddatal - das
Startkapital für dieses Projekt. Und schließlich steht für den Erfolg
des Themas das gute alte Motto: "Gegessen wird immer".
Die Projektbausteine:
1. Kräuterwanderung und Wiesensuppenkochen
Die Natur vor der Haustür hat eine Menge an Wildgemüse, Gewürz- und
Heilpflanzen zu bieten. Viele von ihnen wanderten früher in die
Kochtöpfe. Manche besitzen besondere Heilwirkung und erleben im Zuge
der Naturmedizin eine Renaissance.
Unter sachkundiger Leitung werden bei der Wanderung Pflanzen gesammelt
und anschließend im Alten Rathaus zu einer schmackhaften Wiesensuppe
verarbeitet.
2. Kochkurse und Ernährungsberatung
In loser Folge werden über den Projektzeitraum verschiedene Vorträge
zur gesunden Ernährung sowie praktische Kochkurse angeboten. Angedacht
sind zunächst drei Termine, weitere Eigeninitiativen sind nicht
auszuschließen.
3. Frühstück an der Nidda
Was die Seine für Paris, ist die Nidda für Assenheim: Im Schatten der
Kopfweiden werden Kaffeespezialitäten gereicht, dazu frisches Brot und
Marmeladen aus Niddataler Früchten, ein leckeres Assemer Süppchen und
weitere lokale Spezialitäten.
An der Promenade stehen Künstler mit ihren Staffeleien, wer mag, kann
sich portraitieren lassen. Fliegende Buchhändler stellen ihr Sortiment
zum Verkauf am Niddaufer auf. Im lauen Sommerlüftchen erklingen zu den
Klängen des Akkordeons Chansons.
4. MitEss-Zentrale
Ein geflügeltes Wort sagt "Selber essen macht dick". Für
viele Singles, alleinlebende Senioren oder Schulkinder ist eine
ausgewogene Ernährung oft Mangelware. Wo jedoch noch gut gekocht wird,
bleibt oft etwas übrig.
Als Weltpremiere wird im Rahmen des Projektes die erste
"MitEss-Zentrale" eröffnet. Dort können Köchinnen und
Köche ihren freien Platz am Esstisch offerieren. Interessierte
Hungernde können nach ihrem Geschmack wählen.
Ein Versuch, die Anonymität im Ort wieder aufzubrechen. Gemeinsam
speisen heißt auch Freundschaften schließen. Man kennt sich wieder und
vielleicht gehen von manchem Esstisch neue Freundschaften oder
Aktivitäten für das Gemeinwohl aus.
Auf alle Fälle können so wieder Generationen zueinander finden.
Für den Projektzeitraum wird die Börse - internetgestützt - über die
Stadtverwaltung organisiert. Nach dem Projekt soll das Ganze zu einer
Ehrenamtsbörse weiter entwickelt werden.
5. Kulinarische Stadtführung
Die "Wirtsgasse" mit dem ältesten Gasthaus Niddatals und die
"Metzgergasse" verraten noch über ihren Namen, welches
Gewerbe hier früher vorwiegend angesiedelt war. Auf alten Bildern ist
noch zu sehen, dass früher in der Altstadt kaum ein Haus war, in dem
nicht irgendein Handwerk oder eine Wirtschaft betrieben wurde. Es gab
mehrere Bäcker, Metzger, Kolonialwarenläden, sogar ein Eisgeschäft
mit eigener Auslieferung per Fahrrad war da. Viele kleine Kneipen
öffneten als erste Anlaufstelle nach Feierabend der Handwerker,
Landarbeiter und Mühlenmitarbeiter die Türen. Fast alle sind
spätestens in den 1970er Jahren verschwunden.
Unter ortskundiger Führung geht dieser Rundgang durch die Altstadt und
erläutert die Orte, an denen früher gekocht, gebacken, zubereitet,
verzehrt und gelegentlich auch übermäßig den lokalen Bier- und
Apfelweinsorten zugesprochen wurde. Natürlich gibt es an jeder Station
etwas von dem hier ursprünglich dargebotenem: Mal ein Stück Brot, mal
Wurst, ein Schoppen Apfelwein. Für einen Abend erwacht das alte Leben
neu und macht Lust auf Neues.
6. Die fliegende Gastronomie "Essen auf
Rädern"
Was ist schöner, als nach Feierabend an einem hochsommerlichen Abend,
unter einer dicken Kastanie oder Linde sitzend zu essen und ein kühles
Bier zu trinken? Oder an einem schönen Nachmittag einen guten Kaffee
und ein Stück Kuchen zu essen?
Wer diesen Wunsch in Niddatal verspürt, wird lange suchen müssen. Sei
denn, er kommt im Sommer 2011 in die Altstadt von Assenheim. An
wechselnden Plätzen und in verschiedenen Höfen macht die fliegende
Gastronomie Halt. Mit dem Ortswechsel wird immer auch ein Wechsel der
Speisekarte verbunden sein. Verschiedene Vereine, ein Cateringservice,
Gast-ronomen, Gewerbetreibende und aktive Privatleute betreiben über
drei Wochen eine Art Straußwirtschaft. Für den Zweck wird eine mobile
Kücheneinheit mit Theke und Kochstelle angemietet, die mal im Hof, mal
vor der Kirche und mal am Flussufer aufgebaut ist. Es ist geplant diese
Gastronomie täglich von 17 bis 21 Uhr und an Wochenenden von 14 bis 21
Uhr zu öffnen. Hier gibt es auch Informationen zum Gesamtprojekt und zu
den noch anste-henden Aktivitäten.
7. Kinder-Koch- und Action-Camp
Übergewicht und Bewegungsmangel werden heute immer mehr Kindern
attestiert. Dies liegt oft an der Unkenntnis von Lebensmitteln und deren
Zubereitung. Zu oft werden zu zucker-haltige Speisen und Getränke
verzehrt. Die Freizeitaktivitäten werden mehr und mehr in die
Kinderzimmer und vor den Bildschirm verlagert.
Die letzte Woche der Sommerferien ist einem offenen Angebot gewidmet:
Kinder aller Altersklassen lernen hier verschiedene Lebensmittel und
deren Herkunft kennen. Es gibt Besuche auf Niddataler Bauernhöfen und
bei Betrieben des Ernährungshandwerks. Frisches Gemüse und Obst wird
unter Anleitung zu leckeren Speisen zubereitet und gemeinsam gegessen.
Zwischendurch werden die Kochmützen abgestreift und Bewegungs- und
Geschicklichkeitsparcours abgearbeitet. Es gibt außergewöhnliche
Kletterparcours, feinmotorische Herausforderungen, kniffelige Spiele und
vieles mehr. Körperliche und geistige Fitness werden intensiv und mit
viel Spaß trainiert. Veranstaltungsorte: Evangelisches Gemeindehaus,
Altes Rathaus, Wiesen an der Wettermündung.
8. Kochbuch und Gastroführer Niddatal
Bereits über 20 Kochrezepte mit lokalem Bezug konnten in der
Vorbereitungsgruppe zu diesem Projektvorschlag zusammen getragen werden.
Mit dem Projekt wird die Meldung weiterer Rezepte ausgeschrieben. Diese
sind dann auch Grundlage für die verschiedenen Veranstaltungen. Fotos
der zubereiteten Speisen illustrieren dann auch das erste Niddataler
Kochbuch mit alten und neuen, zugereisten oder fast vergessenen
Rezepten. Zu jedem "Man nehme" reiht sich auch die Geschichte,
die mit dieser Zubereitung verbunden ist. Das gibt dem Buch die
besondere Note. Als weiteres Kapitel bietet das Buch eine Führung durch
die gastronomische Welt Niddatals. Erzählt wird die Geschichte und das
Angebot alter Kneipen und Ausgehtipps werden gegeben.
9. Niddatal kocht - der große Markt der
regionalen Küche
Wie wir kochen, was wir kochen und womit wir kochen
Die zentrale Großveranstaltung, der Markt der Möglichkeiten, bei dem -
erstmalig für Niddatal - ein großer Wochenmarkt mit Produkten aus der
Region aufgebaut wird. An zahlreichen Ständen werden statt einseitiger
Würstchen oder Pommes verschiedene Speisen unter den Augen der
Zuschauer zubereitet. Viele kleine Kochshows, die je nach Koch auch
Unterhaltungswert haben können. Da blubbert die Assemer Supp oder die
Imschder Krautsupp. Im großen Topf nebenan wird die Bieschter
Kesselwurscht zubereitet und über dem offenen Feuer brät die Kaascher
Kartoffelschipp. Viele weitere Spezialitäten werden gereicht: Frische
Fruchtsäfte, selbstgemachter Apfelwein, Obstbrände.
Die Besucher können in kleinen Workshops verschiedene Rezepte und alte
handwerkliche Fertigkeiten erlernen. Sportlich wird es beim
Kartoffelschälwettbewerb und beim Wettmelken. Mit allen Sinnen sind
Lebensmittel zu ertasten und zu erriechen. Alte Haustierrassen, wie die
Deutsche Edelziege oder das Sattelschwein können betrachtet und
gestreichelt werden.
Mitbürger aus anderen Ländern oder Erdteilen zeigen ihre
Spezialitäten. Und es gibt Vorführungen zur Kochtechnik. Was heißt es
beispielsweise, beim Kochen einen "Zahl zulegen"? Wie ist in
einem Herd mit Holzfeuerung jeweils die richtige Temperatur zu
erreichen? Wie kochte es sich in der Solaren Kochkiste? Wie kann heute
energiesparend und schonend Essen zubereitet werden?
Eine bunte Veranstaltung rund um die Kirche und unter der dicken Linde
in Assenheim.
10. Kunst und Kochen - Kochkunst
Bis ins 19. Jahrhundert war das Landgut Wickstadt ein selbstständiges
Dorf. Heute ist es ein Teil des Ortes Assenheim. Hier spürt man noch,
warum die Wetterau einstmals den Titel "Kornkammer des Deutschen
Reiches" trug.
Bei dieser feinen Veranstaltung treffen zum Teil sehr namhafte Künstler
aus der Region mit Hobby- und Profiköchen aufeinander. Die Besucher
erleben Kunstinstallationen neben den Künstlern in der Zubereitung
besonderer Speisen. Beim Koch-Kunst-Festival werden alle Sinne angeregt.
Unter die Lichtinstallationen des lokalen Künstlers mischen sich die
feinen Düfte erlesener Kräuter und Gewürze. Zum schleifenden
Geräusch der Töpferscheibe gesellt sich brutzelndes Gemüse, neben die
Ausstellung von Ölgemälden reihen sich Essenzen aus Kürbiskern- und
Leinöl.
Verteilt über das gesamte - große - Anwesen stellen etwa 30 Künstler
ihre großen und kleinen Meisterwerke aus. Dazu kommt etwa die gleiche
Anzahl an Köchen. Eine Veranstaltung bei der weder Körper noch Geist
hungrig nach Hause gehen werden.
11. Kochen durch die Epochen
Niddatal hat eine lange Geschichte: Hier finden sich Spuren der
Bandkeramiker, Kelten, Römer, Germanen, Franken und Staufer. Aus
archäologischen Funden und durch Überlieferungen ist bekannt, was in
den jeweiligen Epochen gegessen wurde, manchmal auch wie gegessen wurde.
Bei dieser Veranstaltung erleben die Teilnehmer eine Zeitreise mit dem
Gaumen. Archäologen präsentieren ihre Funde, Geschichtsforscher
berichten von ihren Erkenntnissen und Köche und Teilnehmer erproben die
Lebensmittel, Rezepte und Speisen. Veranstaltungsort ist das
evangelische Gemeindehaus, direkt neben den Resten der Stauferburg,
mitten in Assenheim.
12. Kabarett + Menü
Wenn die Zubereitung der Speisen zum Event wird und sich die Köche
dabei noch kabarettistisch selbst auf die Schippe nehmen, ist das
höchste Klein- und Kochkunst. An schön gedeckten Tafeln sitzen die
Teilnehmer und trainieren über das Zwerchfell zwischen den einzelnen
Gängen die zugelegten Kalorien wieder ab. Die Teilnehmer werden zum
Teil der Inszenierung, die Kabarettisten fertigen - während sie ihr
Programm aufführen - die Speisen, die dann anschließend aufgetragen
werden. Ein vergnüglicher Abend bei (sehr) gutem Essen in den
ehrwürdigen Räumen des ehemaligen Klosters Ilbenstadt.
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